Kontaktlinsen bei trockenen Augen

Kontaktlinsen können Trockenheitsgefühl verstärken, müssen bei trockenen Augen aber nicht grundsätzlich ungeeignet sein. Ob Tages- oder Monatslinsen besser funktionieren, hängt nicht von einem einzelnen Wert ab. Entscheidend sind die Ursache der Beschwerden, Passform, Oberfläche, Material, Tränenfilm, Lider, Pflegesystem und Tragegewohnheiten. Wiederkehrende Beschwerden sollten fachlich untersucht werden, statt nur nach Wassergehalt oder Dk/t auszuwählen.
Kontaktlinsen bei trockenen Augen

Das Wichtigste in Kürze

Tageslinsen können Ablagerungen und mögliche Reaktionen auf Pflegemittel vermeiden, sind aber nicht automatisch komfortabler.

Silikonhydrogel bietet meist eine höhere Sauerstoffdurchlässigkeit als Hydrogel. Ein allgemeiner Komfortvorteil ist nicht eindeutig belegt.

Wassergehalt und Dk/t sagen allein nicht voraus, wie gut eine Kontaktlinse bei trockenen Augen vertragen wird.

Passform, Linsenoberfläche, Tränenfilm, Meibom-Drüsen, Bildschirmarbeit und Tragezeit sollten gemeinsam beurteilt werden.

Bei Schmerzen, deutlicher Rötung, Lichtempfindlichkeit oder plötzlich schlechterer Sicht Kontaktlinsen entfernen und rasch fachliche Hilfe suchen.

In diesem Ratgeber

Warum fühlen sich Kontaktlinsen bei trockenen Augen unangenehm an?

Eine Kontaktlinse liegt im Tränenfilm und teilt ihn in eine Schicht vor und eine Schicht hinter der Linse. Dadurch können Verdunstung, Reibung und die Stabilität des Tränenfilms verändert werden. Beschwerden entstehen jedoch selten durch einen einzigen Wert oder nur durch „zu wenig Feuchtigkeit“.

Mögliche Einflussfaktoren sind:

  • ein instabiler oder schneller verdunstender Tränenfilm,
  • Störungen der Meibom-Drüsen und der öligen Tränenfilmschicht,
  • eine nicht optimale Passform oder Bewegung der Linse,
  • Material, Oberfläche, Randgestaltung oder Ablagerungen,
  • eine Unverträglichkeit gegenüber Bestandteilen des Pflegesystems,
  • zu lange Tragezeiten, Schlafen mit Linsen oder ein überschrittener Austauschzeitraum,
  • Bildschirmarbeit, trockene Raumluft, Luftzug, Allergien oder bestimmte Medikamente.

Fachliteratur verwendet teilweise unterschiedliche Begriffe. Trockenheitsgefühl beim Kontaktlinsentragen kann Teil einer Erkrankung des trockenen Auges sein, aber auch als kontaktlinsenbedingtes Unbehagen auftreten. Symptome und objektive Befunde passen dabei nicht immer eindeutig zusammen. Deshalb ist eine Untersuchung sinnvoller als eine pauschale Materialempfehlung.

Beschwerden sind häufig: Ein Review berichtet, dass etwa 30 bis 50 Prozent der Kontaktlinsenträger Symptome trockener Augen angeben.[2] Das bedeutet nicht, dass alle Betroffenen ihre Linsen dauerhaft aufgeben müssen. Häufig lässt sich die Situation durch eine gezielte Neubeurteilung verbessern.

Typische Symptome – und wichtige Warnzeichen

Zu typischen Beschwerden gehören Brennen, Kratzen, Fremdkörpergefühl, müde Augen, Rötung und ein Komfortabfall im Tagesverlauf. Auch wechselnde oder kurz nach dem Blinzeln unscharfe Sicht kann mit einem instabilen Tränenfilm, Ablagerungen, einer beweglichen Linse oder bei torischen Linsen mit Rotation zusammenhängen.

Kontaktlinsen sofort entfernen und zeitnah abklären lassen

Stärkere Schmerzen, deutliche oder einseitige Rötung, Lichtempfindlichkeit, Sekret, eine plötzlich schlechtere Sicht oder Beschwerden, die nach dem Herausnehmen nicht rasch nachlassen, passen nicht zu einer harmlosen Trockenheit. Sie können auf eine Verletzung oder Infektion hinweisen.[6]

Sind Tageslinsen bei trockenen Augen besser als Monatslinsen?

Tageslinsen können eine sinnvolle Option sein, weil jeden Tag eine frische Linse verwendet wird. Ablagerungen, Aufbewahrungslösung und Kontaktlinsenbehälter entfallen. Das kann besonders relevant sein, wenn Beschwerden im Verlauf des Austauschzyklus zunehmen oder ein Pflegemittel nicht vertragen wird.

Eine Garantie für besseren Komfort ist das tägliche Austauschintervall jedoch nicht. Auch Tageslinsen unterscheiden sich deutlich in Geometrie, Material, Oberfläche, Dicke und Randgestaltung. Eine gut angepasste Monatslinse kann angenehmer sein als eine unpassende Tageslinse.

Eine neuere randomisierte Studie untersuchte symptomatische Monatslinsenträger, die auf eine bestimmte Tageslinse umgestellt wurden, und fand Verbesserungen der Beschwerden. Solche Ergebnisse beziehen sich aber auf die untersuchten Produkte und Teilnehmer. Sie beweisen nicht, dass jede Tageslinse jeder Monatslinse überlegen ist.[3]

Eine grundsätzliche Orientierung zum Austauschsystem bietet unser Ratgeber Tageslinsen oder Monatslinsen.

Hydrogel oder Silikonhydrogel: Was sagt die Studienlage?

Silikonhydrogel lässt in der Regel mehr Sauerstoff durch die Linse als klassisches Hydrogel. Das ist physiologisch relevant, macht Silikonhydrogel aber nicht automatisch komfortabler. Auch Modulus, Oberflächenbenetzung, Geometrie und individuelle Reaktion spielen eine Rolle.

Ein Cochrane-Review randomisierter Studien fand keine schlüssige Evidenz dafür, dass Silikonhydrogel- und Hydrogel-Linsen sich insgesamt eindeutig bei Komfort oder Sicherheit unterscheiden.[4] Die korrekte Schlussfolgerung lautet deshalb nicht „Silikonhydrogel ist besser bei trockenen Augen“, sondern: Das Material ist ein wichtiger Teil der Anpassung, muss aber zusammen mit der gesamten Linse und dem Auge beurteilt werden.

Was bedeuten Wassergehalt und Dk/t wirklich?

Eigenschaft Was sie beschreibt Was sie nicht beweist
WassergehaltAnteil von Wasser im hydratisierten Linsenmaterialdass eine Linse das Auge stärker befeuchtet oder weniger austrocknet
DkSauerstoffdurchlässigkeit des Materialsden tatsächlichen Wert einer fertigen Linse am Auge
Dk/tSauerstoffdurchlässigkeit unter Berücksichtigung der Linsendickedass die Linse gut sitzt, stabil benetzt oder komfortabel ist

Die verbreitete Behauptung, Linsen mit hohem Wassergehalt würden dem Auge grundsätzlich Wasser „entziehen“, ist zu einfach. Ebenso falsch ist die Gegenregel, ein niedriger Wassergehalt sei bei trockenen Augen automatisch besser. Die Wechselwirkung hängt vom gesamten Materialsystem, der Oberfläche, der Umgebung und dem individuellen Tränenfilm ab.

Auch „je höher der Dk/t-Wert, desto besser“ greift zu kurz. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist wichtig, doch Trockenheitsgefühl und Komfort lassen sich aus Dk/t allein nicht vorhersagen.

Was hilft bei trockenen Augen mit Kontaktlinsen?

1. Sitz und Zustand der Linse kontrollieren lassen

Eine Linse kann trotz korrekter Stärke zu fest, zu beweglich oder geometrisch ungeeignet sein. Kontrolliert werden sollten unter anderem Zentrierung, Bewegung, Benetzung, Randverhalten, Sehschärfe und der Zustand der Augenoberfläche. Bei torischen Kontaktlinsen kann zusätzlich eine instabile Rotation zu schwankender Sicht führen.

2. Tränenfilm und Lider untersuchen

Die ölhaltige Aussenschicht des Tränenfilms bremst die Verdunstung. Sie wird wesentlich durch die Meibom-Drüsen in den Lidern gebildet. Eine Funktionsstörung dieser Drüsen ist eine häufige Ursache verdunstungsbedingter Beschwerden. Die Forschung zum Einfluss von Kontaktlinsen auf die Meibom-Drüsen ist allerdings nicht vollständig einheitlich.[2]

Warme Kompressen und Lidrandpflege können bei bestimmten Lidrand- oder Drüsenproblemen sinnvoll sein. Sie sind aber keine universelle Behandlung für jede Form des trockenen Auges. Art und Häufigkeit sollten zur tatsächlichen Ursache passen.

3. Austauschsystem oder Modell gezielt testen

Je nach Befund können täglich frische Linsen, eine andere Oberfläche, Geometrie, Randgestaltung oder ein anderes Material helfen. Sinnvoll ist ein kontrollierter Vergleich mit Probelinsen und einer Nachkontrolle nach realistischen Tragezeiten. Mehrere Eigenschaften gleichzeitig zu verändern erschwert dagegen die Beurteilung, was tatsächlich geholfen hat.

4. Pflegemittel als mögliche Ursache berücksichtigen

Bei wiederverwendbaren Linsen können Bestandteile eines Pflegesystems Beschwerden mit beeinflussen. Ein Wechsel zu einer anderen geeigneten Lösung oder zu einem korrekt angewendeten Peroxidsystem kann im Einzelfall sinnvoll sein. Pflegemittel dürfen nicht beliebig kombiniert werden. Herstellerangaben und professionelle Empfehlung sind zu beachten.

Geeignete Lösungen und Packungsgrössen findest du im Pflegemittel-Preisvergleich. Unser geplanter Pflegemittel-Ratgeber wird die Unterschiede zwischen Kombi- und Peroxidsystemen ausführlicher erklären.

5. Augentropfen richtig auswählen

Nicht jedes Augenpräparat darf mit eingesetzten Kontaktlinsen verwendet werden. Auf der Packung muss die Eignung ausdrücklich angegeben sein. Andernfalls werden die Linsen vor der Anwendung entfernt und erst nach der vorgesehenen Wartezeit wieder eingesetzt.

Bei häufiger Anwendung werden konservierungsmittelfreie Präparate oft bevorzugt, weil bestimmte Konservierungsmittel die Augenoberfläche zusätzlich reizen können.[1] Welche Zusammensetzung passt, hängt unter anderem davon ab, ob eher ein wässriges Defizit oder erhöhte Verdunstung im Vordergrund steht. Gefässverengende „Weissmacher“ behandeln die Ursache nicht und sind keine geeignete Dauerlösung.

6. Bildschirmarbeit und Umgebung anpassen

Bei konzentrierter Bildschirmarbeit wird häufig seltener oder unvollständig geblinzelt. Dadurch kann der Tränenfilm schneller aufreissen und stärker verdunsten.[5] Praktisch helfen regelmässige Blickpausen, bewusst vollständiges Blinzeln und ein Bildschirm, der leicht unter Augenhöhe steht. Direkter Luftstrom von Ventilator, Klimaanlage oder Autogebläse sollte nicht auf die Augen gerichtet sein.

Mehr dazu erklärt der Ratgeber Kontaktlinsen bei Bildschirmarbeit.

7. Tragezeit reduzieren und eine Brille bereithalten

Wenn der Komfort im Tagesverlauf deutlich abnimmt, ist „durchhalten“ keine gute Strategie. Linsen herausnehmen, eine Brille tragen und die Ursache prüfen lassen. Eine individuell kürzere Tragezeit kann sinnvoller sein als der Versuch, mit Tropfen jede gewünschte Stundenzahl zu erreichen.

Welche Massnahme passt zu welchem Problem?

Beobachtung Mögliche Erklärung Sinnvoller nächster Schritt
Beschwerden nehmen gegen Ende des Monats zuAblagerungen, Oberfläche oder PflegeroutineAustausch und Pflege prüfen, gegebenenfalls Tageslinse testen
Brennen direkt nach dem EinsetzenLösung, beschädigte oder verschmutzte Linse, OberflächeLinse entfernen, Zustand und Pflegesystem prüfen
Unschärfe bessert sich kurz durch Blinzelninstabiler Tränenfilm oder BenetzungsproblemTränenfilm und Linsensitz kontrollieren
Probleme vor allem am Bildschirmreduziertes oder unvollständiges BlinzelnBlinkverhalten, Pausen und Arbeitsplatz optimieren
Schmerzen, starke Rötung oder Lichtscheumögliche Verletzung oder InfektionLinsen entfernen und rasch fachlich abklären lassen

Häufige Fehler und Missverständnisse

„Tageslinsen sind bei trockenen Augen immer die beste Wahl“

Nein. Sie vermeiden Ablagerungen und Pflegesysteme, aber Passform, Oberfläche und individuelle Verträglichkeit bleiben entscheidend.

„Silikonhydrogel ist automatisch komfortabler“

Nein. Silikonhydrogel bietet meist eine höhere Sauerstoffdurchlässigkeit. Ein eindeutiger allgemeiner Komfortvorteil gegenüber Hydrogel ist durch die verfügbare randomisierte Evidenz nicht belegt.

„Hoher Wassergehalt spendet dem Auge mehr Feuchtigkeit“

Diese direkte Gleichsetzung ist falsch. Der Wasseranteil ist nur eine Materialeigenschaft und sagt allein nicht voraus, wie stabil und angenehm eine Linse auf deinem Auge bleibt.

„Je höher Dk/t, desto besser die Linse“

Eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist wichtig. Dk/t beschreibt aber weder Passform noch Oberflächenbenetzung, Reibung oder subjektiven Komfort.

„Mit genügend Augentropfen kann ich die Linsen beliebig lange tragen“

Nein. Tropfen können Beschwerden lindern, beheben aber keine ungeeignete Passform, Entzündung, beschädigte Linse oder zu lange Tragezeit.

Fazit: Die Ursache ist wichtiger als das Etikett

Bei trockenen Augen gibt es keine Kontaktlinse, die für alle Menschen am besten ist. Tageslinsen können durch den täglichen Austausch und den Wegfall von Pflegemitteln Vorteile bieten. Monatslinsen können bei passender Geometrie, Oberfläche und Pflege ebenfalls komfortabel funktionieren. Ebenso wenig entscheiden Silikonhydrogel, Wassergehalt oder Dk/t allein über die Verträglichkeit.

Am sinnvollsten ist eine strukturierte Kontrolle: Beschwerden zeitlich einordnen, Linsensitz und Augenoberfläche untersuchen, Tränenfilm und Lider beurteilen und anschliessend gezielt nur die Faktoren verändern, die wahrscheinlich relevant sind.

Häufig gestellte Fragen

Welche Kontaktlinsen sind bei trockenen Augen am besten?

Es gibt kein allgemein bestes Modell. Entscheidend sind Passform, Oberfläche, Material, Austauschsystem, Tränenfilm und individuelle Reaktion. Tageslinsen können sinnvoll sein, sind aber nicht automatisch komfortabler.

Sind Monatslinsen bei trockenen Augen ungeeignet?

Nein. Eine gut angepasste Monatslinse kann funktionieren. Pflege, Austauschzeitraum, Ablagerungen und mögliche Reaktionen auf das Pflegemittel müssen berücksichtigt werden.

Ist ein niedriger Wassergehalt besser?

Nicht grundsätzlich. Weder ein hoher noch ein niedriger Wassergehalt garantiert gute Verträglichkeit. Die komplette Material- und Oberflächenkonstruktion ist relevanter als diese einzelne Zahl.

Warum werden Kontaktlinsen nach einigen Stunden unscharf?

Mögliche Ursachen sind ein instabiler Tränenfilm, schlechte Benetzung, Ablagerungen, eine ungünstige Passform oder Rotation einer torischen Linse. Wiederkehrende Unschärfe sollte kontrolliert werden.

Welche Augentropfen darf ich mit Kontaktlinsen verwenden?

Nur Präparate, die ausdrücklich für die Anwendung mit eingesetzten Kontaktlinsen freigegeben sind. Bei anderen Tropfen müssen die Linsen entfernt und die jeweilige Wartezeit beachtet werden.

Kann Bildschirmarbeit trockene Augen mit Kontaktlinsen verstärken?

Ja. Bei konzentrierter Bildschirmnutzung wird häufig seltener und unvollständiger geblinzelt. Das begünstigt Instabilität und Verdunstung des Tränenfilms.

Wann sollte ich mit Kontaktlinsen pausieren?

Bei deutlicher Rötung, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, Sekret, plötzlich schlechterer Sicht oder anhaltenden Beschwerden Linsen entfernen und fachliche Hilfe suchen.

Quellen und Fachliteratur anzeigen
  1. Jones L et al. TFOS DEWS III: Management and Therapy. American Journal of Ophthalmology, 2025. Volltext.
  2. Ifrah R, Quevedo L, Gantz L. Topical review of the relationship between contact lens wear and meibomian gland dysfunction. Journal of Optometry, 2023. PubMed.
  3. Sánchez-Ruiz JM et al. A Randomized Trial on the Benefits of Refitting Symptomatic Wearers of Monthly Replacement Contact Lenses with a Daily Disposable Lens. 2025. Volltext.
  4. Haworth K et al. Silicone hydrogel versus hydrogel soft contact lenses for differences in patient-reported eye comfort and safety. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2023. Abstract.
  5. Al-Mohtaseb Z et al. The Relationship Between Dry Eye Disease and Digital Screen Use. Clinical Ophthalmology, 2021. Volltext.
  6. American Academy of Ophthalmology. Eye Infections From Contact Lenses, aktualisiert 2026.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Kontaktlinsenanpassung oder augenärztliche Untersuchung. Bei Schmerzen, deutlicher Rötung, Lichtempfindlichkeit oder plötzlicher Sehverschlechterung Kontaktlinsen entfernen und zeitnah professionelle Hilfe suchen.
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